01. Feb 2014

Nach dem endlosen Papierkram am Hafen, fahren wir endlich rein in die Stadt der Superlativen: Dubai! Da es schon dunkel ist, fahren wir mit den anderen Travelern direkt zum Strand, um dort die erste Nacht zu verbringen. Sandstrand, so weit das Auge reicht! Und angenehm warm ist es auch noch, etwa 25°C tagsüber. Am nächsten Morgen stellen wir nach wir fest, dass wir an der Kite-Surfing-Beach gelandet sind. Bald können wir das Schauspiel der Kite-Surfer und Badegäste beobachten. 

Wir genießen die Sonne, hüpfen eine Runde ins Meer und freuen uns, endlich nicht mehr länger im Mittelpunkt zu stehen. Dubai ist für uns ein krasser Wechsel zu den vier Wochen im wesentlich ärmeren Iran. Wir staunen über die hier üblichen hochmotirisierten Geländewagen, teure Motorräder à la Harley Davidson und Honda Goldwing, Hochhäuser in allen Farben und Formen - alles blitzt und blinkt. Als wir gegen Abend vom Strand aufbrechen, um ein Hotelzimmer mit Dusche für die Nacht zu finden, sind wir zunächst eingeschüchtert von den hohen Preisen. Aber mit dem Trick, im Internet zu 50% des Preises ein Zimmer zu buchen, kommen wir zu Preisen, wie wir sie von zu Hause kennen, über die Runden.

Dubai hat im Prinzip fast alles zu bieten. Wir haben riesige Einkaufszentren besucht, inklusive der Skihalle - mitten in der Wüste.  Durch das Zentrum nutzten wir die 12-spurige Hauptstrasse, mitten durch die Stadt! Und natürlich darf "Burj Khalifa" als höchstes Gebäude der Welt nicht unerwähnt bleiben. 

Aber nicht alles in Dubai ist neu, sexy und teuer. Blickt man an den Stadtrand oder hinter die vorderste Reihe der Skyscraper, findet man auch hier ganz gewöhnliche Wohnhäuser, einstöckig, mit Satelitenschüssel auf dem Dach, mit bröckelndem Putz und amüsanten Kabelverlegungen. Außerdem findet man hier nach wie vor viele staubige Baulücken oder Baustellen, denn die neuesten Superlativen Dubais werden gerade erst erfunden!

Weihnachten und die Feiertage verbringen wir in einem Hotel am Stadtrand. Dort parken wir unsere dreckigen Motorräder zwischen riesigen, blitzblanken Neuwagen der arabischen Mittelklasse:

In Dubai haben wir einige sehr entspannte Tage verbracht. Bummeln, am Strand spazieren und natürlich jede Menge gutes Essen versüßen uns den Papierkram für das nächste Verschiffen der Motorräder.

Trotzdem sind wir am 27.12 dann doch froh, die Motorräder abgeben zu können, damit diese auf ein Schiff verladen werden können. Nach Weihnachten besuchen wir noch einen angesagten Weihnachtsmarkt in Dubai. Enttäuschenderweise ist er im Vergleich zu Deutschland richtig fad, und der kleine Glühwein (für 8€) bei 20°C plus fühlt sich auch irgendwie falsch an...

Den letzten Tag vor unseres Abflugs verbringen wir nochmal am Strand, um Sonne zu tanken. Mit Blick auf das einzige 7-Sterne-Hotel der Welt lächeln wir über das kostenlose WLAN (am kompletten Strand) und lassen uns noch ein Wenig die Sonne auf den Bauch scheinen. Verrückt oder?

Was bleibt uns wohl über Dubai in Erinnerung? Wir haben die erste Woche hier sehr genossen, und uns insbesondere nach den Abenteuern im Iran an der aufstrebenden Lebensart der arabischen Emirate erfreut. Aber außer Shoppen, Essen und am Strand liegen und anderen Freizeitaktivitäten nachgehen ist hier nicht viel zu tun. Mit der Zeit wird einem jedoch sehr bewusst, dass Dubai mitten in der Wüste liegt. Und plötzlich schüttelt man ständig den Kopf über aufwändig entsalztes Meerwasser, welches zum ständigen Bewässern der Rasenflächen benutzt wird. Auf die Dauer wird das Leben hier außerdem teuer. Trotzdem ist Dubai auf jeden Fall eine Reise wert, vielleicht jedoch eher für eine Woche als für ein Monat. 

Am 29.12 ist es endlich so weit: Über Istanbul fliegen wir zurück ins kalte Deutschland. Mit unserem überraschenden Auftauchen schocken wir unsere Freunde und Verwandten mal so richtig. Fragt ihr euch, warum? Nun, zum einen hatte Annas Motorrad beim Stelldichein mit der Kuh mehr Schaden genommen als ursprünglich gedacht. Zum anderen sind wir so reisemüde, dass wir uns kurz entschlossen für einen längeren Heimaturlaub entschieden haben. Mehr, als wir gedacht hätten, beanspruchte unsere Motorradreise unsere Aufnahmefähigkeit. Der Wunsch nach Erholung siegte über die letzten Wochen immer häufiger über unsere Neugierde.

Aber bereits nach einem Monat flackert die erste Reiselust wieder in uns auf. Wir planen, irgendwann im Frühjahr wieder aufzubrechen, um Süd-Ost-Asien zu erkunden. Dann allerdings mit kleinen Motorrädern, welche wir vor Ort billig erstehen können und nicht zu verschiffen oder zu verzollen brauchen. Sobald wieder konkretere Planungen zu berichten sind, werden wir es euch natürlich wissen lassen.

Wir grüßen euch alle aus unserer winterlichen Heimatstadt Augsburg, die wir derzeit ganz neu für uns entdecken!

21. Dez 2013

Heute quälen wir euch einmal mit einer kleinen Bürokratie-Episode à la "Passierschein A38". Unser Plan war es, den Iran von Bandar Abbas aus mit der Fähre nach Dubai zu verlassen. Die Fähre selbst ist eine Roll on / Roll off -Fähre, welche samstags, montags und mittwochs um 21:00 abfahren und in Dubai um 8:00 ankommen soll. Tatsächlich kann der Fahrplan sich aber jederzeit ändern, also vorher immer rechtzeitig nachfragen. (Haben wir natürlich nicht. Deshalb saßen wir fast eine Woche in Bandar Abbas fest.)

Wir haben die Tickets vorab in der Agency (N27°09.925' E56°13.763') gekauft, um uns am Tag der Abfahrt ganz auf den Papierkram konzentrieren zu können. Ein anderer Passagier mit Fahrzeug hat die Tickets am Abfahrtstag direkt am Hafen kaufen können, das ist also auch möglich. 

Der Ticketpreis setzt sich wie folgt zusammen:

- Erwachsender 1.600.000 Rial (40€)

- Bill Of Loading 1.100.000 Rial (28€)

- Motorrad 7.500.000 Rial (185€)

In der Agency wurden wir vor die Wahl gestellt, ob wir die Kosten für die Motorräder in Bandar Abbas in Rial, oder erst bei Ankunft in UAE in Dollar bezahlen wollen. Tatsächlich aber muss in UAE in Dirham bezahlt werden, US-Dollar ist nicht möglich.

Abfahrtstag Bandar Abbas

08:15 Wir treffen am Hafen von Bandar Abbas (N27°09.268' E56°12.368') ein. Man sollte mit viel Geduld, Wasser und Verpflegung ausgestattet sein, um diesen langen Tag durchzustehen. In der Abfertungshallte ist ein Kiosk fürs Frustessen vorhanden.

08:30 Direkt an der Einfahrt links befinden sich Container-Büros. Die dortigen Herren kontrollieren die Fahrgestellnummer auf dem Motorrad sowie das Carnet de Passage und machen einen Vermerk auf dem Exitabschnitt des Carnets.

08:45 200m weiter auf der linken Seite ist ein blaugraues Zollgebäude (N 27 09.256E 56 12.253). Der Beamte dort am Schalter hinten rechts produziert mehrere Formulare und stempelt schließlich das Carnet aus. Ab jetzt darf das Fahrzeug das Hafengelände nicht mehr verlassen! 

09:30 Im Zollgebäude an der Rückseite (N 27 09.223E 56 12.254) besucht man nacheinander 3 Beamte im gleichen Raum. Es werden weitere Forumlare produziert und man zahlt Hafengebühr (250.000 Rial). Falls Kopien nötig sind, kann man zurück im ersten Zollgebäude eine Art Copyshop finden. (Manche zahlen für die Kopien, andere nicht.)

12:15 In der Abfertigungshalle (N 27 09.253E 56 12.226) gibt es im ersten Stock eine Kantine für das Mittagessen (neben dem blaugrauen Zollgebäude). Kosten für ein Essen ca. 160.000 Rial. Wir haben im Iran schon in schlechteren Restaurants gegessen.

15:00 Inzwischen wurden alle nötigen Dokumente vom Shipping Agent bearbeitet (Zollgebäude an der Rückseite). Man wird wieder zur Polizeistation im blaugrauen Gebäude geschickt wo man einen Gate-Pass bekommt.

15:30 Mit dem Gate-Pass kann man das Fahrzeug ein paar hundert Meter weiter durch eine Schranke auf das Verladegelände fahren. Achtung: Danach kommt man bis zur Abfahrt nicht mehr dran, also alles nötige mitnehmen. Nun heißt es warten in der Abfertungshalle. (Oder aus dem Hafen schleichen und Falafel essen gehen.)

19:30 In der Abfertungshalle werden die Tickets kontrolliert, man erhält einen Boardingpass.

20:00 Passkontrolle: Natürlich Frauen und Männer getrennt. Von allen Fahrzeuginhabern werden die Pässe bis zum Boarding einbehalten (vermutlich damit diese als letztes an Bord gehen). Danach wieder warten...

21:00 Der eigentliche Abfahrtstermin des Schiffes - Es passiert aber nichts. Die Kinder im Saal werden unruhig.

22:30 Die Passasiere ohne Fahrzeug dürfen aufs Schiff.

22:45 Wir dürfen unsere Fahrzeuge selbst aufs Schiff fahren, und die Motorräder werden verzurrt. Ein Zugang zu den Fahrzeugen während der Fahrt ist möglich.

23:00 Mit 2 Stunden Verspätung fährt die Fähre ab. Es gibt Hühnchen mit Reis zum Abendessen, später wird die Kabine abgedunkelt und der Fernseher abgeschalten, so dass man etwas Schlaf bekommen kann.

Ankunft Sharjah

10:00 Wir kommen im Hafen an und dürfen die Fahrzeuge selbst von der Fähre runterfahren. Hafenoffizielle prüfen fast sofort die Fahrgestellnummer und das Carnet. 

10:15 Der Agent kommt vorbei und nimmt die Carnets an sich, um Papiere zu bearbeiten. Wir sollen zunächst wie alle Passasiere in Bussen zum Immigration Office mitfahren. Die Polizisten sind unschlüssig, wie sie mit uns Fahrzeug-Besitzern umgehen sollen.

10:45 Wir fahren im Polizeiwagen den anderen Passagieren hinterher zur Immigration (N 25 21.597 E 55 22.576).

11:15 Wir bekommen in Abfertigung das Visum in den Pass gestempelt, und fahren zurück zum Büro des Shipping Agents (N 25 21.818 E 55 22.580).

11:30 Wir warten auf den Agent und spielen solange Fußball neben Verladungskränen... 

12:30 Der Agent möchte in Dirham bezahlt werden, ein ATM soll im Zollgebäude (N 25 21.556 E 55 22.569) zu finden sein - Also erst einmal Geld abheben. Achtung Gebäude ist nicht mit dem Fahrzeug zu erreichen, sondern nur durch die Immigration-Halle.

12:45 Zurück beim Agent bezahlen wir die Hafengebühr und Steuern für 2 Motorräder: ca. 120 Dirham. Nun bekommen wir eine Liste mit 5 Stationen, welche wir besuchen müssen, um den Hafen mit unseren Gefährten verlassen zu können. Dazu der Hinweis, dass alles vor 18:00 erledigt sein muss, da dann alle Büros schließen. Der folgende Tag ist noch dazu Freitag und damit Wochenende. (Wir hoffen inständig, diese Warnung war reine pro forma, beeilen uns jetzt aber doch mehr.)

13:00 Zurück im Zollgebäude, gibt es links am Schalter einen ersten Stempel

13:15 Am Main Gate (N 25 21.587 E 55 22.614) kontrolliert ein Beamter die Fahrgestellnummer am Fahrzeug und erstellt anschließend den Inspection Report. Kosten ca. 20 Dirham pro Fahrzeug.

14:00 Zurück im Zollgebäude stempelt der erste Beamte das Carnet und erstellt die Bill Of Loading. Dieses Dokument sollte man genau prüfen - es muss der Fahrzeugtyp und die Fahrgestellnummer enthalten sein! (Unsere erste war für 20 Tonnen Eiscreme ausgestellt!). Auch die Fahrgestellnummer auf Tippfehler prüfen! Kosten 80 Dirham.

15:15 Nun müssen wir warten, bis der nächste Schalter um 16:00 wieder öffnet. (Haben wir erwähnt, dass es im ganzen Hafengelände von Sharjah nichts zu essen gibt? Die Großfamilie gibt uns Spaghetti aus.)

16:00 Zurück im Zollgebäude bekommen wir am Schalter auf der rechten Seite das Dokument "Release Order". Kosten 220 Dirham. Fahrgestellnummer im Dokument auf Tippfehler prüfen! 

17:15 Nun geht es zum YARD 6 (N 25 21.734 E 55 22.526), um den Main Gate-Pass zu bekommen.

17:45 Den Main Gate-Pass unbedingt auf Tippfehler in der Fahrgestellnummer prüfen! Dann zurück zum Main Gate und endlich, endlich den Hafen verlassen! (Der Großfamilienvater muss noch einmal schnell zurück, sein Main Gate-Pass ist fehlerhaft.) Wir hatten noch immerhin 10 Minuten Puffer. Puh!

Fazit

Von einer einfachen Schiffsfahrt ist diese Roll on / Roll off -Fähre weit entfernt. Der Papierkram an beiden Enden wirkt unnötig verkompliziert, und oftmals trägt man nur Dokumente von einem Beamten ein paar Meter weiter zum nächsten. In Bandar Abbas dauerte alles sehr lange, aber alle Beamten waren hilfsbereit und kannten jeweils den nächsten Schritt in der Abfolge. Durch die lange Wartezeit am Nachmittag und die (anscheinend übliche) Verspätung wird es aber ein zäher Tag. Auf der Seite der UAE war der Agent besser vorbereitet. Allerdings sind selbst in unserer kleinen Gruppe (5 Fahrzeuge) in jedem Schritt Fehler passiert. Man sollte also jedes Dokument kontrollieren und auf der Hut sein!

Aber wir sind schlecht im Trübsal blasen. Wir haben uns zusammen mit den anderen Travelern der Überfahrt die Zeit vertrieben. Besonders die beiden Franzosen, welche gerade mit Ihren 6 Kindern (!) im Camper plus Anhänger ein Jahr lang von Frankreich bis nach Nepal reisen, haben uns sehr imponiert. Die Kinder sorgen wenigstens immer für Action! Auch Lutz, der mit über 70 Jahren noch im Landcruiser durch die Welt reist, wird uns in Erinnerung bleiben.

Übrigens erfuhren wir auf dem Schiff von anderen Reisenden, dass kürzlich einer mit seinem Motorrad in Bandar Abbas in den Flieger gestiegen ist - Unkosten zusätzlich zum Flugticket: $70, Zeitaufwand gleich Null. Hätten wir das mal vorher gewusst.

Wir sind gespannt, welche bürokratischen Hindernisse uns bei der nächsten Verschiffung bevorstehen. Aber jetzt verarbeiten wir erst einmal den Kulturschock Dubai!