06. Jun 2014

Aus dem kalten, stark klimatisierten Flugzeug steigen wir in Kambodscha in staubige Hitze aus. Wir nehmen das nächstbeste Tuk Tuk in die Stadt Siem Reap, von welcher aus wir die Tempel von Angkor für zwei Tage besichtigen wollen.

Das Stadtbild erinnert uns an kleinere Städte im Iran: Breite Straßen, kleine Lädchen und Märkte, funktionale Bauten - Ganz anders ist hier aber natürlich die Touristenmeile im Stadtzentrum mit Bars, Restaurants und Massage-Liegen. Wir steigen in einem Hostel ab, erkunden etwas die Innenstadt und gehen früh schlafen. Am nächsten Morgen wollen wir mit einem geliehenen Fahrrad die riesige Tempelanlage erkunden.

Am größten Tempelkomplex der Welt, Angkor Wat, fahren wir heute einfach vorbei - die großen Anziehungspunkte heben wir uns für den zweiten Tag auf. Auf diese Weise tauchen wir langsam in diese magische Dschungelwelt ein, entdecken kleine und dann größere Tempel, und sind dabei häufig ganz allein. Als erstes geht es über eine Brücke über einen angelegten Graben hinein nach Angkor Tom:

In dieser kleinen ehemaligen Stadt entdecken wir plötzlich die ersten Äffchen am Straßenrand! 

Ein Stück weiter stoßen wir auf den Tempel Bayon und staunen, staunen, staunen. Der Tempel selbst besteht aus zwei Ebenen und ist unglaublich gut erhalten, dafür dass er 1200 rum gebaut wurde. Man fühlt sich beobachtet hier, von den unzähligen, in Stein gemeißelten, andächtig lächelnden Gesichtern:

Wir radeln weiter über Grashügel zu ein paar einsamen Kapellen. Beim Betreten fliegen Vögel auf... Hier wohnt die Natur. Magisch!

Bei der Weiterfahrt zücken wir unseren Kompass zu spät und nehmen deshalb aus Versehen die ganz große Route, durch das nördliche Tor Angkor Toms an Preah Khan vorbei... Hoppala! Deshalb ist hier also so wenig los.

Ein bißchen Fahrradfahren weiter treffen wir auf einen Tempel, welcher nur über eine lange Brücke zu erreichen ist. Der Tempel selbst ist ins Wasser gebaut und kann nicht betreten werden. Trotzdem kann man sich schon auf der Brücke ein bisschen vorstellen, wie Ehrfurcht gebietend der Bau am Ende einmal angesiedelt war. 

Es ist extrem heiß, und dann radeln wir auch noch seit Stunden! Glücklicherweise finden sich genügend Verkaufsstände, denn wir können heute gar nicht genug Wasser bekommen. Oder Cocosnüsse. 

Die meisten anderen Besucher lassen sich im Tuk Tuk oder gar im Auto durch die Gegend fahren. Mit unseren Fahrrädern werden wir bestaunt, angelächelt - oder bemitleidet? Aber eigentlich macht es Spaß! Nachmittags rollen wir zurück in die Stadt. Wir haben heute über 42km zurückgelegt, bei 37 Grad auf harten Sätteln. Am nächsten Morgen können wir unsere Motivation zum Radfahren einfach nicht wieder finden. Liegt es an den schmerzenden Sitzknochen? Deshalb leihen wir uns ein kleines Elektrobike. Das ist bequem und macht mindestens genauso viel Spaß! Die Einheimischen lachen und winken ... Surrrrrrr....

Für heute haben wir uns also die berühmtesten Tempel vorgenommen. Wir starten mit Angkor Wat, dem "8. Weltwunder", selbst.

Zunächst stößt man auf lange Gänge um den Tempel selbst, ...

... mit bis zur Decke verzierten Wänden: Unzählige Kampfszenen in Stein gemeißelt, mit Fabelwesen, welche wir von Skulpturen aus vielen Tempeln und auch aus der Stadt Siem Reap wiedererkennen.

Von den inneren Säulengängen aus kann man zur oberen Ebene steigen, von welcher aus Buddha-Statuen eine nette Aussicht über die Umgebung genießen. Nicht so spektakulär, wie der Ansturm auf den Gipfel vermuten lässt - von außen sind die Türme jedoch großartig!

Danach ging es weiter zu Ta Keo, mit der vielleicht steilsten Außentreppe der Welt. Oben angekommen, müssen wir auch schon wieder hinab kraxeln, denn hier ist Baustelle. (Die Bauarbeiter dösen innen.)

Für den Schluss haben wir uns Ta Prohm aufgehoben - Bekannt durch den Film Lara Croft: Tomb Raider. Die einzelnen Gebäude sind bzw. werden zwar hier und da wieder aufgebaut, aber sie wirken noch immer wie von der Natur zurückerobert, weil die Bäume bleiben dürfen:

Wir sind einfach nur baff. Das ist so unwirklich! Obwohl zum Anfassen nah.

Abends rollen wir zurück in die Stadt, und ab in die Fressmeile a.k.a. Pub Street. Wieder gibt es tolle Suppen und den ein oder anderen Cocktail: 

(Ein paar weitere Fotos findet ihr wie immer oben unter dem Menüpunkt BILDER.) Unser Fazit ist klar: Angkor ist auf jeden Fall eine Reise wert. Oder zwei. Das ist die vielleicht größte und bedeutendste Kulturstädte überhaupt!

Am nächsten Tag müssen wir früh raus, zurück zum Flughafen zu unserem Flug nach Bali. Der Flieger hebt ab, steigt und... fliegt eine Schleife... und landet wieder in Siem Reap. Eine falsche Warnleuchte der Gepäckklappe im Cockpit verunsicherte wohl den Piloten. Mit 1,5 Stunden Verspätung kommen wir trotzdem in Kuala Lumpur an, reisen kurz nach Malysia ein, bevor wir gerade noch rechtzeitig den Anschlussflug nach "Paradise Bali" nehmen. 

Ob wir hier die einsamen Strände, weitläufige Reisfelder und günstige Bambushütten finden? Wir sind gespannt...

21. Dez 2013

Heute quälen wir euch einmal mit einer kleinen Bürokratie-Episode à la "Passierschein A38". Unser Plan war es, den Iran von Bandar Abbas aus mit der Fähre nach Dubai zu verlassen. Die Fähre selbst ist eine Roll on / Roll off -Fähre, welche samstags, montags und mittwochs um 21:00 abfahren und in Dubai um 8:00 ankommen soll. Tatsächlich kann der Fahrplan sich aber jederzeit ändern, also vorher immer rechtzeitig nachfragen. (Haben wir natürlich nicht. Deshalb saßen wir fast eine Woche in Bandar Abbas fest.)

Wir haben die Tickets vorab in der Agency (N27°09.925' E56°13.763') gekauft, um uns am Tag der Abfahrt ganz auf den Papierkram konzentrieren zu können. Ein anderer Passagier mit Fahrzeug hat die Tickets am Abfahrtstag direkt am Hafen kaufen können, das ist also auch möglich. 

Der Ticketpreis setzt sich wie folgt zusammen:

- Erwachsender 1.600.000 Rial (40€)

- Bill Of Loading 1.100.000 Rial (28€)

- Motorrad 7.500.000 Rial (185€)

In der Agency wurden wir vor die Wahl gestellt, ob wir die Kosten für die Motorräder in Bandar Abbas in Rial, oder erst bei Ankunft in UAE in Dollar bezahlen wollen. Tatsächlich aber muss in UAE in Dirham bezahlt werden, US-Dollar ist nicht möglich.

Abfahrtstag Bandar Abbas

08:15 Wir treffen am Hafen von Bandar Abbas (N27°09.268' E56°12.368') ein. Man sollte mit viel Geduld, Wasser und Verpflegung ausgestattet sein, um diesen langen Tag durchzustehen. In der Abfertungshallte ist ein Kiosk fürs Frustessen vorhanden.

08:30 Direkt an der Einfahrt links befinden sich Container-Büros. Die dortigen Herren kontrollieren die Fahrgestellnummer auf dem Motorrad sowie das Carnet de Passage und machen einen Vermerk auf dem Exitabschnitt des Carnets.

08:45 200m weiter auf der linken Seite ist ein blaugraues Zollgebäude (N 27 09.256E 56 12.253). Der Beamte dort am Schalter hinten rechts produziert mehrere Formulare und stempelt schließlich das Carnet aus. Ab jetzt darf das Fahrzeug das Hafengelände nicht mehr verlassen! 

09:30 Im Zollgebäude an der Rückseite (N 27 09.223E 56 12.254) besucht man nacheinander 3 Beamte im gleichen Raum. Es werden weitere Forumlare produziert und man zahlt Hafengebühr (250.000 Rial). Falls Kopien nötig sind, kann man zurück im ersten Zollgebäude eine Art Copyshop finden. (Manche zahlen für die Kopien, andere nicht.)

12:15 In der Abfertigungshalle (N 27 09.253E 56 12.226) gibt es im ersten Stock eine Kantine für das Mittagessen (neben dem blaugrauen Zollgebäude). Kosten für ein Essen ca. 160.000 Rial. Wir haben im Iran schon in schlechteren Restaurants gegessen.

15:00 Inzwischen wurden alle nötigen Dokumente vom Shipping Agent bearbeitet (Zollgebäude an der Rückseite). Man wird wieder zur Polizeistation im blaugrauen Gebäude geschickt wo man einen Gate-Pass bekommt.

15:30 Mit dem Gate-Pass kann man das Fahrzeug ein paar hundert Meter weiter durch eine Schranke auf das Verladegelände fahren. Achtung: Danach kommt man bis zur Abfahrt nicht mehr dran, also alles nötige mitnehmen. Nun heißt es warten in der Abfertungshalle. (Oder aus dem Hafen schleichen und Falafel essen gehen.)

19:30 In der Abfertungshalle werden die Tickets kontrolliert, man erhält einen Boardingpass.

20:00 Passkontrolle: Natürlich Frauen und Männer getrennt. Von allen Fahrzeuginhabern werden die Pässe bis zum Boarding einbehalten (vermutlich damit diese als letztes an Bord gehen). Danach wieder warten...

21:00 Der eigentliche Abfahrtstermin des Schiffes - Es passiert aber nichts. Die Kinder im Saal werden unruhig.

22:30 Die Passasiere ohne Fahrzeug dürfen aufs Schiff.

22:45 Wir dürfen unsere Fahrzeuge selbst aufs Schiff fahren, und die Motorräder werden verzurrt. Ein Zugang zu den Fahrzeugen während der Fahrt ist möglich.

23:00 Mit 2 Stunden Verspätung fährt die Fähre ab. Es gibt Hühnchen mit Reis zum Abendessen, später wird die Kabine abgedunkelt und der Fernseher abgeschalten, so dass man etwas Schlaf bekommen kann.

Ankunft Sharjah

10:00 Wir kommen im Hafen an und dürfen die Fahrzeuge selbst von der Fähre runterfahren. Hafenoffizielle prüfen fast sofort die Fahrgestellnummer und das Carnet. 

10:15 Der Agent kommt vorbei und nimmt die Carnets an sich, um Papiere zu bearbeiten. Wir sollen zunächst wie alle Passasiere in Bussen zum Immigration Office mitfahren. Die Polizisten sind unschlüssig, wie sie mit uns Fahrzeug-Besitzern umgehen sollen.

10:45 Wir fahren im Polizeiwagen den anderen Passagieren hinterher zur Immigration (N 25 21.597 E 55 22.576).

11:15 Wir bekommen in Abfertigung das Visum in den Pass gestempelt, und fahren zurück zum Büro des Shipping Agents (N 25 21.818 E 55 22.580).

11:30 Wir warten auf den Agent und spielen solange Fußball neben Verladungskränen... 

12:30 Der Agent möchte in Dirham bezahlt werden, ein ATM soll im Zollgebäude (N 25 21.556 E 55 22.569) zu finden sein - Also erst einmal Geld abheben. Achtung Gebäude ist nicht mit dem Fahrzeug zu erreichen, sondern nur durch die Immigration-Halle.

12:45 Zurück beim Agent bezahlen wir die Hafengebühr und Steuern für 2 Motorräder: ca. 120 Dirham. Nun bekommen wir eine Liste mit 5 Stationen, welche wir besuchen müssen, um den Hafen mit unseren Gefährten verlassen zu können. Dazu der Hinweis, dass alles vor 18:00 erledigt sein muss, da dann alle Büros schließen. Der folgende Tag ist noch dazu Freitag und damit Wochenende. (Wir hoffen inständig, diese Warnung war reine pro forma, beeilen uns jetzt aber doch mehr.)

13:00 Zurück im Zollgebäude, gibt es links am Schalter einen ersten Stempel

13:15 Am Main Gate (N 25 21.587 E 55 22.614) kontrolliert ein Beamter die Fahrgestellnummer am Fahrzeug und erstellt anschließend den Inspection Report. Kosten ca. 20 Dirham pro Fahrzeug.

14:00 Zurück im Zollgebäude stempelt der erste Beamte das Carnet und erstellt die Bill Of Loading. Dieses Dokument sollte man genau prüfen - es muss der Fahrzeugtyp und die Fahrgestellnummer enthalten sein! (Unsere erste war für 20 Tonnen Eiscreme ausgestellt!). Auch die Fahrgestellnummer auf Tippfehler prüfen! Kosten 80 Dirham.

15:15 Nun müssen wir warten, bis der nächste Schalter um 16:00 wieder öffnet. (Haben wir erwähnt, dass es im ganzen Hafengelände von Sharjah nichts zu essen gibt? Die Großfamilie gibt uns Spaghetti aus.)

16:00 Zurück im Zollgebäude bekommen wir am Schalter auf der rechten Seite das Dokument "Release Order". Kosten 220 Dirham. Fahrgestellnummer im Dokument auf Tippfehler prüfen! 

17:15 Nun geht es zum YARD 6 (N 25 21.734 E 55 22.526), um den Main Gate-Pass zu bekommen.

17:45 Den Main Gate-Pass unbedingt auf Tippfehler in der Fahrgestellnummer prüfen! Dann zurück zum Main Gate und endlich, endlich den Hafen verlassen! (Der Großfamilienvater muss noch einmal schnell zurück, sein Main Gate-Pass ist fehlerhaft.) Wir hatten noch immerhin 10 Minuten Puffer. Puh!

Fazit

Von einer einfachen Schiffsfahrt ist diese Roll on / Roll off -Fähre weit entfernt. Der Papierkram an beiden Enden wirkt unnötig verkompliziert, und oftmals trägt man nur Dokumente von einem Beamten ein paar Meter weiter zum nächsten. In Bandar Abbas dauerte alles sehr lange, aber alle Beamten waren hilfsbereit und kannten jeweils den nächsten Schritt in der Abfolge. Durch die lange Wartezeit am Nachmittag und die (anscheinend übliche) Verspätung wird es aber ein zäher Tag. Auf der Seite der UAE war der Agent besser vorbereitet. Allerdings sind selbst in unserer kleinen Gruppe (5 Fahrzeuge) in jedem Schritt Fehler passiert. Man sollte also jedes Dokument kontrollieren und auf der Hut sein!

Aber wir sind schlecht im Trübsal blasen. Wir haben uns zusammen mit den anderen Travelern der Überfahrt die Zeit vertrieben. Besonders die beiden Franzosen, welche gerade mit Ihren 6 Kindern (!) im Camper plus Anhänger ein Jahr lang von Frankreich bis nach Nepal reisen, haben uns sehr imponiert. Die Kinder sorgen wenigstens immer für Action! Auch Lutz, der mit über 70 Jahren noch im Landcruiser durch die Welt reist, wird uns in Erinnerung bleiben.

Übrigens erfuhren wir auf dem Schiff von anderen Reisenden, dass kürzlich einer mit seinem Motorrad in Bandar Abbas in den Flieger gestiegen ist - Unkosten zusätzlich zum Flugticket: $70, Zeitaufwand gleich Null. Hätten wir das mal vorher gewusst.

Wir sind gespannt, welche bürokratischen Hindernisse uns bei der nächsten Verschiffung bevorstehen. Aber jetzt verarbeiten wir erst einmal den Kulturschock Dubai!

06. Dez 2013

 

Von Tabriz aus wollen wir weiter fahren zum Kaspischen Meer, um anschließend nach Süden abzudrehen. Sobald wir es über den hohen Bergkamm geschafft haben, ist von der zuvor kargen, felsigen Landschaft nichts mehr zu sehen. Statt dessen prägen grüne Laubwälder, Ackerflächen und Unmengen von Kühen das Bild. Anna schwört, es war ein besonders großer, schwarzer Stier, der ihr plötzlich - immer schneller werdend - vor das Motorrad rennt. "Oh shit" sagt sie noch, dann liegen ihr Motorrad und die Kuh auf der Seite. Zum Glück passiert weder Anna noch der Kuh etwas. Sofort sind wir umringt von Iranern, welche aus den angrenzenden Geschäften und dem Friseur zu Hilfe eilen. Scheinbar hat auch jemand einen Krankenwagen gerufen, welcher in Nullkommanichts zur Stelle ist, aber nicht gebraucht wird. Nur die arme Zoey (Annas Motorrad) musste ihre Scheibe lassen und blickt nun etwas geknickt drein.

Nach einer kurzen Verschnaufpause fahren wir sehr langsam weiter. Bitte jetzt nur noch ein Hotel und viel Ruhe. An der Küste werden wir fündig, wenn das Zimmer auch teuer ist. Ach so, hoppla, heute nächtigen wir also in einer Suite! Und das mit Meeresrauschen und Sandstrand. Leider ist dieser aber vom allgegenwärtigen Müllproblem des Irans nicht verschont geblieben.

Weil wir am nächsten Tag im Verkehrchaos von Rasht den weiteren Verlauf der Küstenstraße nicht finden können, biegen wir eben wieder nach Süden ab. Wir fahren erneut durch karge Berglandschaften bis in das hübsche Städtchen Qazvin, wo wir spontan 2 Tage bleiben, um günstig etwas auszuspannen. Ausgiebig schlendern wir durch die Märkte, von Obst über Fisch bis zu Schafsköpfen ist hier alles zu haben. So manch einer schmückt hier sein Gefährt übrigens mit dem ein oder anderen Teppich. Das sieht gemütlich aus, Daniel wird ganz neidisch.

Bewaffnet mit den GPS-Koordinaten eines Hotels in Teheran, brechen wir schließlich auf, um die Hauptstadt des Landes zu erkunden. Unterwegs fahren wir am einzigen aktiven Atomkraftwerk des Landes vorbei, welches bei uns für so viel Trubel sorgt. Im Stadtgebiet Teheran wohnen ca. 15 Millionen Menschen. Der Verkehr in Teheran ist zwar dichter als im restlichen Land, aber wir meistern das inzwischen schon ganz routiniert. Teheran ist laut und echt groß. Wir schlendern an hunderten von Geschäften vorbei, erkunden mit der U-Bahn etwas die Stadt und finden heraus, dass nahezu alle großen und modernen Gebäude Banken sind. Die Abende hier lassen wir mehr als einmal mit frischen, reifen Kakis und anderen Leckereien ausklingen.

Wir kommen hier auch vermehrt mit der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in Kontakt: In der U-Bahn gibt es Wagons nur für Frauen, und in Shisha-Bars wird Anna der Eintritt verwehrt. Frauen rauchen hier nicht in der Öffentlichkeit - das war uns bisher gar nicht aufgefallen. Ungewohnt schnell haben wir dieses Mal genug von der Großstadt, und führen unseren Weg nach Süden fort. Wir übernachten in der Stadt Kashan, wo es sehr alte, lehmverputzte Häuser zu bewundern gibt, deren Dächer zu kleinen Kuppeln gemauert sind. Anna ist ganz aus dem "Häuschen"!

Hier treffen wir außerdem auf einen deutschsprachigen Iraner, welcher viele Jahre in Frankfurt gelebt und gearbeitet hat. Eifrig probiert er seine Deutschkenntnisse an uns aus, und schwärmt dabei von der Region sowie seinen zahlreichen Ausflügen nach Dubai. Interessant! Weiter im Süden, etwa in der Mitte des Landes, kommen wir in Isfahan an - der "Perle des Orients". Die Stadt ist wahrlich ein Schmuckstück! Parks laden zum Picknicken und Verweilen ein.

Der berühmte Imam-Platz mit dem angrenzenden Basar, Palast und der Moschee ist wirklich riesig. Das heutige Zentrum Isfahans wurde erbaut, als die Hauptstadt im ausgehenden 16. Jhd. von Qazvin hierher verlegt wurde. Abertausende armenische Künstler wurden herangezogen, die Bauwerke auszuschmücken, weshalb noch heute Christen angesehene Bürger der Stadt sind. Dank dieser Pracht wurde Isfahan zum Kern der Seidenstraße und somit des Handels zwischen China und Europa.

Zum ersten Mal im Iran finden wir ein touristisches Angebot an Hotels, hübschen Einkaufsstraßen und sogar einem italienischen Restaurant vor! Ihr müsst wissen, dass Restaurants im Iran normalerweise sehr selten sind (von Fastfood einmal abgesehen). Wir werden von einem älteren Herren angesprochen, der fragt, ob er uns etwas über den Platz erzählen kann. Wir stimmen zu und hören einen längeren Monolog mit durchaus interessanten Details. Natürlich arbeitet der gute Mann eigentlich hier und will am Ende eine Entlohnung. An solche "Touristenfallen" sind wir schon gar nicht mehr gewöhnt!  Als lebendige Attraktion dürfen wir auch hier wieder für das ein oder andere Foto posieren:

Beim Bummeln durch die Stadt läd uns ein Teppichhändler spontan in sein Lager zum Tee ein. Wir lernen seine Tochter mit Ihren Freundinnen kennen und werden in schüchternem Englisch ausgefragt. Natürlich dürfen wir auch einige der Teppiche begutachten, und lernen die verschiedenen Qualitätsmerkmale und Techniken kennen. Einen Teppich kaufen wollen wir dann allerdings doch nicht, obwohl sie uns wirklich gefallen:

Eine weitere Attraktion der Stadt soll die Brücke über den Fluss sein. Diese ist auch schnell gefunden - aber wo ist der Fluss? Scheinbar ist in den Wintermonaten der Fluss nicht zu Hause, und so können wir entspannt durch das Flussbett lustwandeln. Irgendwie etwas skurril.

Wir reißen uns schließlich los von der schönen Perle Persiens. Nördlich der Stadt Shiraz fahren wir die Unesco-Weltkulturerbestätte Persepolis an. Hier wurden vor unvorstellbaren zweieinhalb tausend Jahren über 14 Gebäude auf einem Plateu errichtet, mit Palästen, Harem und dergleichen. Erstaunlich viele Details sind hier erhalten, und wir starren lange in Ehrfurcht auf Säulen und Steinblöcke mit herausgearbeiteten Personen und Szenen. 

Persepolis ist wirklich ein Highlight unseres Aufenthalts im Iran - nicht zuletzt deshalb, weil es nicht von Sklaven, sondern von entlohnten Arbeitern erbaut wurde. Wir gleiten würdevoll die Treppen hinauf und hinab, stellen uns vor, wie wir in den Harem getragen werden und wie uns Geschenke überreicht werden. Können wir jedem nur empfehlen!

Nach der ersten Fahrt in der Dämmerung erreichen wir am Abend die Stadt Shiraz. Entgegen landläufiger Meinung fahren auch die Leute im Iran nachts ganz normal mit Licht. Kurz vor der Stadt werden wir noch von einer Polizeikontrolle zur Seite gewunken. Aber wieder sind wir nicht zu schnell gefahren, sondern werden nur neugierig beäugt und im Iran wilkommen geheißen. In der Stadt angekommen, steuern wir ein kleines Hotel in den Gassen der Altstadt an. Diese sind so schmal, dass wir tatsächlich für ein entgegen kommendes Auto ein Stück rückwärts schieben müssen, damit wir aneinander vorbeikommen. Endlich angekommen, fährt Daniel unsere Rädchen mit Bravour über eine schmale Betontreppe hinauf in den Eingang des Hotels. Wir bekommen ein hübsches Zimmer mit riesiger Deckenhöhe, essen im überdachten Innenhof mit Brunnen und lassen den Abend mit einer wohl verdienten Wasserpfeife ausklingen. 

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen erkunden wir ein wenig die Stadt, inklusive des schiefen Turms von Shiraz. Er gehört zu einem Mausoleum in der Stadtmitte. 

Die Stadt selbst ist quirlig und voller Geschäfte für Herrenkleidung. Wir treffen sogar einen Iraner, der uns auf deutsch ausfragt und in Shiraz wilkommen heißt. Den Nachmittag verbringen wir faul im Innenhof des Hotels. Wir spüren allmählich eine erste Reisemüdigkeit. So viele neue Eindrücke prasseln immer noch auf uns ein, aber wir nehmen sie immer selektiver wahr. Abends kommen wir mit zwei anderen Travellern ins Gespräch. Wir tauschen uns über Reisemöglichkeiten, Gefährte und Sitten in fremden Ländern aus. Bis weit in die Nacht hinein wird gequatscht und Shisha geraucht.

Bevor wir am nächsten Mittag wieder aufbrechen, sprechen wir noch mit drei anderen Gästen, welche jeweils mit ihren Fahrrädern bis in den Iran gefahren sind. Wir lernen, dass man auch durch die hier übliche Berglandschaft durchaus 120km am Tag radeln kann. Der Radfahrer aus England hat praktisch die gleiche Route wie wir hinter sich. Chapeau! Weiter im Süden machen wir einen Zwischenstopp in einer Stadt am Fuße eines Berges. Hier wird von Hand die Baumwolle für die vielen Klamottengeschäfte geerntet.

Wärend der abendlichen Einkaufstour hat Daniel die Gelegenheit, ein Fitnessstudio im Iran zu besuchen. Während des Trainings wird hier ruhig mal das Motorrad mit laufendem Motor in der Halle abgestellt. Die Angestellten unseres Hotels sprechen leider auch hier kein English, sind aber trotzdem sehr hilfsbereit und neugierig. Wir verstehen uns auch so - Ob Anna schon ein Kind erwartet, wurden wir schließlich gestisch schon mehr als einmal gefragt. Immerhin können wir mittlerweile schon die persischen Zahlen auswendig, ist ja ganz leicht:

Am nächsten Morgen brechen wir auf zu unserer letzten Etappe durch den Iran, bis zum größten Hafen des Landes in Bandar Abbas. Über diese 300 Kilometer ändert sich die Landschaft zusehens ins Wüstenhafte. Und es wird spürbar wärmer. Die "Vorsicht Kuh"-Schilder werden von "Vorsicht Kamele"-Schildern abgelöst. Und plötzlich erscheinen sie dann in der Ferne, groß aber grazil, und sehr zahlreich: Eine Horde wilder Kamele! 

In Bandar Abbas finden wir das Meer endlich wieder. Schade, dass man hier nicht wirklich in der Sonne liegen kann, denn es hat knapp 30°C. Aber Frauen bleiben auch hier verschleiert, und die Uferpromenade ist zweckmäßig steil betoniert. Vor uns liegt nun die Aufgabe, einen Berg Papierkram zu bewältigen, um uns und unsere Motorräder zügig mit der teuren Fähre über den persischen Golf nach Dubai zu bringen, bevor unser Visum für den Iran ausläuft. Ein dickes Bündel Geldscheine mussten wir dafür hinlegen:

Der Iran hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet. Die islamische Revolution spaltete das Land in konservative und fortschrittliche Mächte, die sich überall bemerkbar machen. Traditionelle Gewänder und schrille Leggings bzw. maßgeschneiderte Anzüge halten sich die Waage. Zahnlose Granatäpfelverkäufer preisen ihre Ware vor Handyläden an. Hinter funktionalen Hochhäusern stehen noch immer lehmverputzte Viertel. Wir wagen zu hoffen, dass sich das Land trotz seiner monarchischen Tradition wieder weiter öffnen wird. Anlass zur Hoffnung bildet der erste Händedruck zwischen einem iranischen und amerikanischen Offiziellen seit der islamischen Revolution, den wir hier kürzlich im Fernsehen verfolgen konnten. Wir wünschen dem Iran, dass die Sanktionen bald gelockert werden, damit endlich wieder Datteln exportiert werden können und das Land floriert!

Ach so: Angst hatten wir hier übrigens nie. Wir wurden oft beschenkt, aber nie bestohlen. Wir versuchen, uns von der Hilfsbereitschaft der Iraner eine Scheibe abzuschneiden. Falls wir zum 100. Mal gefragt werden "Iran, good?", sagen wir gerne wieder: "Yes, very good!"