29. Nov 2013

Schon unser erster Tag im Iran bringt so einige Überraschungen. Die Ausreise aus der Türkei war noch recht entspannt. Ein Tee, ein kleiner Stempel, und schon warteten wir darauf, dass sich das große Eisentor in den Iran öffnet. Leider ist vor uns ein großer Bus voller Menschen mit Bündeln voll neuer Schuhe durchzuschleusen, weshalb wir eine Weile in der Kälte ausharren. Hinter dem Tor werden an einem Posten unsere Pässe kontrolliert und unser türkisches Geld in iranische Rial gewechselt - oops, das war bestimmt kein Offizieller. An der nächsten Stelle nickt jemand unsere Visa ab und heißt uns überschwenglich willkommen. Als nächstes heißt es, die Motorräder ins Land zu bekommen. Das Carnet de Passage kommt zum Einsatz. Bis alle Unterschriften und Stempel drauf sind, dauert es etwa eine Stunde. Die ganze Zeit werden wir begleitet von einem netten jungen Mann, der uns dann auch zum Zollgebäude eskortiert für den letzten und wichtigsten Stempel. Wir brauchen eine Versicherung, heißt es. Wir wollen aber nicht zahlen. OK, gibt es auch kostenlos. Jetzt will der nette Herr bezahlt werden für seine Hilfe. Von der iranischen Währung will er aber nichts wissen, und verschwindet plötzlich genervt. Endlich, endlich fahren wir rein in den Iran.

Die Straßen sind hubbelig, und wir suchen alsbald in den Straßen der nächsten Stadt nach einer Bleibe. Natürlich sind die meisten Schilder hier in Farsi, was das ganze nicht leichter macht... Anscheinend sieht man uns unsere Verlorenheit an, denn schon bald hält ein Auto neben uns, und weist uns freundlich den Weg in Richtung Hotel. Weil wir uns in dem Nest trotzdem nicht zurecht finden, halten wir bald, um noch einmal nachzufragen. Ein Mann spricht uns an, er wurde angerufen, es seien Touristen in der Stadt. Er möchte uns den Weg zum Hotel zeigen. Eine Fahrschulauto hält an, alle Insassen wollen uns helfen. Der Fahrschüler hat gerade Prüfung, egal, sie halten am Hotel. Der Mann begleitet uns noch hinein und hinterlässt seine Nummer an der Rezeption, just in case! Nach einer Verschnaufpause im ordentlichen Hotelzimmer gehen wir auf die Suche nach Essen. Restaurants scheint es keine zu geben, aber wir begnügen uns mit einem Sandwich. Daniel sucht aus: "Chicken" mit Salat und Tomaten - oops, das war dann wohl Hühnerleber... Nach unserem Erkundungsgang werden wir, wieder am Hotel, erneut überrascht: Vor dem Hotel steht schlotternd wieder der gleiche hilfsbereite Mann. Da sind wir ja, sagt er, und er erwarte uns schon eine dreiviertel Stunde. Der Hotelmanager rief ihn an, wir könnten uns in der (sehr kleinen) Stadt ja verlaufen, und jemand der Englisch spricht müsse uns begleiten. Damit wir ein gutes Bild vom Iran bekommen, sagte der Mann, der sich uns nun als Dozent an der Uni vorstellt, seine Vorlesung ab. Waaaaas? Das war doch etwas übertriebene Vorsicht, finden wir, und schließen den ersten Tag mit der Vermutung, dass wir einiges dieser Kultur noch nicht verstehen.

Am nächsten Morgen brechen wir ausgeruht auf, um den Iran zu erkunden. Unser nächster Stop wird in Urmia sein, wo uns Hossein in sein Guesthouse eingeladen hat. Bewaffnet mit den nötigen GPS-Koordinaten und Hossein's Handynummer brechen wir auf. Wir fahren durch herbstliche Landschaften, welche aber schnell abgelößt werden von kargen Feldern, nur hier und da eine Schaafherde. Man merkt, dass auch hier der Winter kurz bevor steht. Anders als bisher werden wir hier bereits von überholdenen und entgegenkommenden Fahrzeugen neugierig betrachtet und durch Hupen, Lichthupe oder Winken gegrüßt. Ob es an der Motorrad fahrenden Anna liegt oder daran, dass Motorräder mit mehr als 250ccm im Iran verboten sind, wissen wir nicht. An Ampeln spricht man uns an, fragt, ob wo wir herkommen und ob man uns vielleicht helfen kann. Bei unserer Zwischenstation in der Stadt Koy können wir uns keine 2m vom Motorrad entfernen, ohne zu einem ganz untypischen Cappuchino eingeladen zu werden. 

Am späten Nachmittag kommen wir bei den GPS-Koordinaten von Hossein an. Es ist kein Guesthouse zu finden, und erst jetzt fällt uns auf, dass unser Handy uns im Iran im Stich lässt. Etwas ratlos gehen wir die Strasse auf und ab, um vielleicht das Guesthouse zu finden oder jemand mit Handy ausfindig zu machen. Unser Problem löst sich allerdings von selbst: Anscheinend ist Hossein bereits in der ganzen Stadt Urmia dafür bekannt, dass ihn oft Motorradreisende besuchen. Der nette Besitzer eines Süßwarenladens bittet uns herein und macht per Handy Hossein ausfindig. Während wir warten, dolmetscht uns der Sohn des Besitzers am Handy, was besprochen wurde.

Nach einer viertel Stunde holt uns Hosseins Vater mit dem Fahrrad ab, und geleitet uns durch eine Seitenstrasse in einen Innenhof, wo wir unsere Motorräder abstellen. Wir werden in das Haus der Familie geführt, wo wir zu unserem Erstaunen eines der beiden einzigen Zimmer beziehen sollen. Sofort wird uns Tee zum Aufwärmen angeboten, und bald sitzt uns unser eigentlicher Gastgeber Hossein gegenüber. Alsbald brechen wir auf, um zusammen mit Hossein einige seiner Freunde zum Abendessen und zur gemütlichen Runde zu treffen. Trotz der Sprachbarriere (nur Hossein spricht gutes Englisch und muss daher immer zum Übersetzen herhalten) werden wir begeistert aufgenommen und fühlen und sehr willkommen. Es wird gesungen, geraucht und geschmaust, und schon bald haben wir ein paar neue Freundesanfragen bei Facebook.

Spät in der Nacht löst sich die Gruppe auf, und wir schlendern zurück zu Hosseins Haus. Mit dem Gedanken, am nächsten Morgen bereits früh raus zu müssen, fallen wir ins Bett. Dass die komplette 5-köpfige Familie wegen uns im Wohnzimmer schläft, bemerken wir erst später schockiert. Am nächsten Morgen geht es fast pünklich um 7 los zum Trecking, dem Hobby der Wahl vieler Iraner. Es ist Freitag und damit der einzige freie Tag der Woche im Iran. In drei Kleinbussen gefüllt mit jung und alt geht es los, raus aus der Stadt zum "White Mountain". Wieder werden wir sofort und selbstverständlich in die Gruppe integriert. Fehlende Ausrüstung wie Mützen und Handschuhe für uns finden sich ohne Probleme. 

In regelmäßigen Abständen wird die Wanderung durch Picknick und / oder Foto-Pausen unterbrochen. Mitgebrachtes Frühstück und Mittagessen wird fröhlich und ohne Zurückhaltung mit uns geteilt. Es ist selbstverständlich, dass wir alles probieren müssen. Erinnert ein bißchen an die Walters :-) 

Wir erleben einen spannenden Tag mit vielen interressanten Unterhaltungen über die Natur, Umweltverschmutzung, Deutschland, Autos, Politik und das Bild, welches wir im Ausland vom Iran haben. Am Ende geht es mit dem Bus zurück nach Urmia, wo wir alle hundemüde ins Bett fallen, obwohl es erst später Nachmittag ist. Soviel Bewegung (nach so viel feiern) sind wir nicht gewohnt.

Am nächsten Morgen geht es los, um zusammen mit Hossein die Stadt zu erkunden, Geld zu wechseln und endlich eine Landkarte zu kaufen - aber erst nach einem leckeren, späten Frühstück im Wohnzimmer der Familie:

Ganz nebenbei erfahren wir, was und wie Hosseins Freunde arbeiten, und dass es durch die schlechte Anbindung an das Internet hier einen normalen Laden gibt, in welchem man (dank des Handelsembargos) alle nötige Software bequem und gecrackt kaufen kann. Wie praktisch! Wir kaufen einen VPN-Zugang für Facebook und co.

Natürlich darf die Tour nicht enden, bevor wir nicht den Bazar und die älteste Moschee im Ort besucht haben. Da gerade kein Gebet stattfindet, können Anna und ich die Moschee in Ruhe besuchen und sogar Fotos machen. Die Moschee ist ein angenehmer Gegensatz zu den meist kalten Kirchen in Deutschland, es ist warm und durch die vielen Teppiche sehr gemütlich. Sie ist niedriger als die meisten der Moscheen in Istanbul und stammt aus dem 15. Jhd.

Wie in Deutschland trifft man sich auch im Iran am Abend, um noch etwas abzuhängen. Wir erleben eine moderne Shisha-Bar (das Pharao in Augsburg hat das Ambiente wirklich sehr gut rüber gebracht) und die Iranische interpretation von Pizza (sehr soßig). Da wir nun bereits bekannte Gesichter sind werden wir von Hosseins Freunden mit mehr Fragen gelöchert und fast schon mütterlich umsorgt. Wir fühlen uns sehr wohl!

Abends lassen es sich Hosseins Eltern nicht nehmen, das Familienalbum zu zücken, und im Gegenzug unsere mitgebrachten Fotos durchzusehen. Vor allem die Berufe (wir sind uns nicht einig, welcher der Berufe unserer Väter nun schwerer zu erklären ist) und die Bilder unseres Polterabends und der Hochzeit kommen gut an. Und natürlich der Flugzeugmechaniker unter unseren Freunden löst erstaunen aus ;-) Hossein zeigt uns noch einige Videos vergangener Besucher und Iranischer Hochzeiten (bei welchen Männer und Frauen getrennt feiern) bevor wir mit ihm die weitere Route durch den Iran besprechen. Schlussendlich machen wir noch einige Fotos zusammen und müssen lernen, dass es wohl ewig ein unerfüllter Traum der Familie bleiben wird, nach Deutschland in den Urlaub zu fahren. Ein Visum ist praktisch unmöglich zu bekommen. Annas Foto von der Augsburger Innenstadt bekommt einen neuen Platz zwischen den Familienfotos über der Couch.

Eine letzte Nacht verbringen wir in Hossein's Guesthouse. Am nächsten Morgen erwartet uns wieder ein gutes Frühstück - und eine Überraschung: Über Nacht konnte eine Einigung zum Iranischen Atomprogramm gefunden werden, und die Sanktionen, unter welchen der Iran bereits lange leidet, sollen gelockert werden. Die Freude darüber ist hier sehr groß, "Almanya and Iran Friends!" und "Peace!" wird gerufen. Nach dem Frühstück begleitet uns fast die ganze Familie mit dem Auto bis an die Stadtgrenze, um uns zu verabschieden. Wir haben einen intimen Einblick in das Familienleben erhalten, und konnten einiges über die Gepflogenheiten im Iran lernen. Wer möchte ist herzlich eingeladen, Hossein und seine Familie im Hossein's Guesthouse zu besuchen. Wir können es nur wärmstens empfehlen!

Wir fahren raus aus Urmia und überqueren den (nach dem toten Meer) zweitgrößten Salzsee der Welt über die für Motorräder mautfreie Brücke. Leider ist der See stark ausgetrocknet, da die lokale Industrie Wasser entnimmt, aber keines wieder zugegeben wird. Wenn es so weitergeht, wir der See in ca. 50 Jahren verschwunden sein. 

Kaum haben wir den See überquert, werden wir von einem Polizeiauto mit Blaulicht an den Seitenstreifen gewunken. Na super, schon wieder zu schnell gefahren? Drei Polizisten steigen aus und fragen brummig nach dem Pass. Allerdings wird den Beamten mit einem Blick auf Anna und die Motorräder klar, dass wir wohl nicht von hier sind. Als Anna dann die Beamten mit einem fröhlichen "Salam!" begrüßt, werden die Augen groß. Als sie herausfinden, dass wir aus Deutschland kommen, werden wir mit "Welcome to Iran" und "Thank you" begeistert begrüßt. Schnell wird aus dem Auto ein noch warmes Brot für uns hervorgezaubert, und "I love you!" gerufen. Ohne unsere Pässe gesehen zu haben, sind die Polizisten auch schon wieder davon gesaust. Man stelle sich diese Szene nur einmal in Deutschland vor. Unglaublich. Nachdem wir das lecker Brot verspeist haben, besuchen wir das Dorf Kandovan, wo bereits seit über 1000 Jahren Menschen in Steinhöhlen wohnen. Sehr beeindruckend anzusehen.

Auch hier werden wir wieder mit großer Herzlichkeit begrüßt. Ein Ladenbesitzer läd uns zum Tee ein, fragt uns aus und bietet uns spontan einen Schlafplatz in seinem Haus an, während er Butter kocht. 

Da hier allerdings Schnee liegt, beschließen wir, unsere Route bis in die nächste große Stadt - Tabriz - fortzusetzen. Kaum sind wir aus dem Laden, hält ein Auto neben uns und vier junge Iranerinnen bitten uns (oder wohl eher Anna) um ein Gruppenfoto. Zack *knips* und weg sind sie wieder mit großem Gekicher. Die Jugend im Iran ist wohl sehr Natur- und Kultur-interessiert, beeindruckend!

Zurück an den Motorrädern, werden diese bereits von einer Gruppe kleiner Jungs umlagert, welche begeistert für Anna das Motorrad starten dürfen und kräftig am Gas drehen. Wir sind wohl die Attraktion des Tages. In der Dämmerung erreichen wir Tabriz, wo sich die Suche nach einem Hotel als schwierig erweist. Wir irren durch die viertgrößte Stadt des Iran (über 4 Millionen Einwohner - und damit größer als Berlin!) und finden schlussendlich ein einfaches, aber billiges Hotel für die Nacht. Generell ist das Preisniveau im Iran sehr niedrig. Eine Übernachtung im Hotel schlägt mit 10 bis 20 Euro zu Buche, und Sprit ist selbst mit dem teureren Ausländertarif für lächerliche 20 Eurocent/Liter zu haben. Im Gegensatz dazu kostet eine Literflasche Wasser 25 Eurocent. Unsere weitere Route führt uns nach Ardabil, nahe des Kaspischen Meeres. Wir fahren durch schneebedeckte Berge und kahle Täler, bis die Stadt am Nachmittag erreicht ist. 

Ardabil ist eine kleinere Stadt, aber dank ausschließlich persischer Schriftzeichen und des gewöhnungsbedürftigen Verkehrs ist die Zimmersuche auch hier nicht leicht. In einer belebten Gasse wird Anna von einem rückwärts manövrierenden Iraner am Koffer gestupst und umgeworfen. Zum Glück ist außer einem Schreck nichts passiert, und sofort eilen mehrere Männer zur Hilfe, um das Motorrad wieder aufzustellen. Den aufgebrachten Fahrer besänftigt Anna mit einem Händeschütteln. Los, weg hier - Eine Abzweigung weiter finden wir endlich ein Hostel. Jetzt gilt es nur noch die Fahrt über den Bürgersteig und über die recht hohe Stufe bis in das Treppenhaus des Hostels zu meistern. Und schon wieder ruft uns ein Fremder "I love you!" hinterher, nachdem er erfuhr, dass wir aus Deutschland sind. Hä? Für heute sind wir geschafft. Nach einer kurzen Einkaufstour durch die Einkaufsstraße und den Bazar ist das Abendessen gesichert: Es gibt Brot mit Käse und Datteln. Dazu drei Kannen Tee und viel Ruhe.

Die erste Woche im Iran verging wie im Flug. Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Iraner, von der wir im Vorfeld schon viel gehört hatten, hat auch uns bereits überwältigt. Es tut uns leid, dass es für interessierte Iraner unmöglich scheint, jemals Europa zu bereisen. Immerhin konnten wir auch so manchen Iranern unser Heimatland ein wenig näher bringen: Zwischen den Familienfotos einer nordiranischen Familie prangt nun Annas verblichenes Foto von der Innenstadt Augsburgs.

19. Nov 2013

Nach unserem langen Aufenthalt in Griechenland haben wir es nun endlich gewagt: Europa liegt hinter uns! Vorbei sind damit wohl auch die einfachen Grenzübergänge. Hier hat man an der Grenze bereits vier verschiedene Stationen anzulaufen, inklusive Motorradversicherung und "Gepäckkontrolle" (ein Stempel und das war's). Aber nach ca 1 Stunde haben wir es geschafft und fahren durch bis Istanbul, unserem ersten Ziel in der Türkei. Dort bleiben wir drei Tage. Direkt im Herzen der Altstadt wohnen wir, mit der berühmten Hagia Sophia als unserem Nachbar.

Istanbul ist eine schöne, für uns aufregend neue und sehr volle Stadt. Wir spüren allmählich die Nähe zum Orient. Viele der Frauen tragen lange Röcke und Kopftücher, aber nicht alle. Und es gibt kaum noch Alkohol zu kaufen. Erstaunlich leicht fällt es uns mittlerweile, sogar im dichten Feierabendverkehr mit zu schwimmen. Sehenswert sind die vielen verschiedenen Moscheen und Bazare - aber auch die modernen Teile der Stadt mit ihrem spannenden orientalisch-westlichen Flair üben einen besonderen Reiz auf uns aus. 

Doch leider holt uns allmählich der Herbst ein, so dass wir nicht noch länger in Istanbul verweilen können. Es zieht uns, trotz des guten Frühstücks, an welches wir uns gewöhnen könnten, weiter ostwärts.

Wir brechen also auf, um die Türkei zügig zu durchqueren - 1800km quer durch ein Land, welches sich über diese Strecke landschaftlich komplett verändert. Anfangs begleiten uns noch Laubwälder, grüne Hügel und weite Ebenen, wohingegen mit wachsenden Längengraden kaum noch nenenswerte Bäume wachsen.

Dafür fahren wir durch riesige, schroffe Berglandschaften, über dürre "Kaninchenhügel" und vorbei an kleinen Dörfern mit bewohnten Ruinen oder immer gleichen Siedlungsbauten. In der Stadt Erzurum wird uns als scheinbar ganz normaler Service angeboten, in der Hotellobby zu parken. Wir stutzen erst, und rollen dann belustigt durch die Schiebetür.

Nun sitzen wir in Doğubayazıt, nahe der Grenze zum Iran. Noch müssen wir einige organisatorische Dinge erledigen (Strafzettel zahlen *hust*), bevor es dann hoffentlich morgen rüber geht in den Iran. Wir sind schon sehr gespannt, wie Anna das neue Kopftuch steht, ob Facebook den nächsten Monat zugänglich ist und insbesondere darauf, wie die Menschen im Iran sind!

10. Nov 2013

 

Von der Hafenstadt Gythio aus starten wir unser Insel-Hopping, auch wenn so spät im Jahr leider kaum noch große Fähren fahren - Leider sind wir mit unseren Motorrädern etwas eingeschränkter in der Routenplanung als gedacht. Wir nehmen die Fähre zur größten Insel Griechenlands: Kreta. Dort schlafen wir in einem der letzten noch geöffneten Campingpätze. Am nächsten Tag schlendern wir durch die Innenstadt von Chania. Besonders die große und sehr schöne Markthalle (mit riesigen Fischen!) hat es uns angetan: 

Danach geht es weiter ostwärts bis nach Rethymno - die schöne Joggingstrecke (besonders langer Sandstrand) und die gegrillten Shrimps lassen uns einen Tag verweilen.

Frisch gestärkt besuchten wir das Highlight der Insel Kreta: Der Palast von Knossos! Wir hatten im Vorfeld schon viel von der Kulturstätte gehört, dementsprechend groß waren unsere Erwartungen. Wir müssen gestehen, dass wir etwas enttäuscht waren: Zu uneindeutig ist zu sehen, was noch original erhalten und was restauriert ist. In Olympia beispielsweise war nicht nur sehr viel mehr zu sehen, sondern auch klar zu unterscheiden, was seit Ewigkeiten so da liegt und was jemand wieder aufgetürmt hat. (Leider, leider sind die Beweise im Meer versunken...) Deshalb suchten wir in Knossos besonders gründlich nach alten Steinen:

In Heraklio, Kretas Hauptstadt, verbrachten wir einen wunderschönen Nachmittag. Hier ist besonders schön zu erleben, wie uralte und modernste Kultur aufeinandertreffen. Die Nachtfähre nach Piräus, der drittgrößten Hafenstadt Europas gleich neben Athen, fährt dort ab, wir winken zurück...

Unsere Fähre hat Verspätung, anscheinend ist das hier so üblich. Wir düsen spät abends zum Ticketschalter und Fragen nach den nächsten Tickets. "Wie schnell könnt ihr sein?" ist die Antwort. Schnell natürlich - eine halbe Stunde später fährt uns ein anderer riesen Pott auf die Trauminsel Mykonos. Man schläft nicht gut auf einer Fähre, das wissen wir jetzt sicher... Aber die Mühe lohnt sich. Mykonos ist wirklich traumhaft, vor allem architektonisch. Wir finden ein günstiges, kleines Hotel, und bleiben zwei Tage, mitten drin:

Da wir keine Möglichkeit gefunden haben, über die Inseln aufs türkische Festland überzusetzen, ohne dass das Unterfangen ungleich teurer und/oder zeitaufwändiger würde, ging es anschließend auf gleichem Weg zurück nach Athen. Der Plan, nur eine Nacht zu bleiben, ging schief: Für den Folgetag ist in ganz Griechenland Streik im öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Beim Schlendern durch die Innenstadt Athens merken wir in den vier Tagen, wie sehr den Komfort einer Badewanne, aber auch die Lebendigkeit, die Cafés und die Geschäfte einer großen Stadt vermisst hatten! Hinzu kommt der besondere Reiz Athens. Denn hier kommt einfach alles zusammen: Junge, sehr hilfsbereite Menschen, ungefähr Millionen kleiner Läden, politische Banner, und man sieht sie ständig von überall - die Akropolis, und andere echt alte Häuser. Athen, wir kommen wieder!

Jetzt sind wir - wieder per Fähre - in Kavala kurz vor der Grenze zur Türkei angelangt. Fast vier schöne Wochen waren wir in Griechenland, und wir bereuen keinen einzigen verlängerten Aufenthalt hier. Mindestens eine Reise Wert! Einziges Manko: Sie frittieren hier wirklich alles. Sogar frischen Fisch - warum nur? Aber wenn man sich an Tsatsiki und griechischen Salat hält und keine Überdosis Käse scheut, kann man in Griechenland ein Paradies auf Erden finden!