10. Okt 2013

Nach einem letzten Bad in Meer und Sonne in Kroatien fahren wir über die Grenze nach Montenegro. Wir folgen der Küstenstraße, welche sich hier besonders schön ans Meer schmiegt. Nachdem sich die Umgebung zunächst kaum von Kroatien unterscheidet, fallen einem doch schon bald erste Änderungen auf. Die Schilder mit den Aufschriften "Camping", "Bar" oder "Restaurant" werden seltener, Tunnel werden nicht mehr beleuchtet und kyrillische Werbeplackate säumen die Straßen.

Abends finden wir einen riesigen, aber leeren Campingplatz in Kaluderac, welcher fast direkt an einem noch größeren Sandstrand liegt. Schnell verscheuchen wir die vielen streunenden Katzen, bauen das Zelt auf und erkunden den Strand. Lecker Fisch gab es dort zufällig auch:

Am nächsten Tag verteidigen wir erfolgreich unser Frühstück vor den Katzen und brechen auf, schon wieder in Richtung Grenze nach Albanien. Die Strasse, in der Karte immer noch als Hauptstraße eingezeichnet, wird immer kleiner und schmäler. Trotzdem, oder gerade deswegen ist es angenehm zu fahren und wir begegnen auch bereits den ersten Autos aus Albanien. An der Grenze begrüßt uns eine längere Autoschlange, aus welcher wir aber gleich rausgewunken werden. Durch den Füßgänger-Grenzpfad sollen wir fahren. Na gut, warten ist eh nicht so unser Ding. Zu unserem Erstaunen werden wir und die Motorräder von mehreren Grenzbeamten interressiert bestaunt. Keine Spur von der Gleichgültigkeit der Beamten vorheriger Grenzen. Erst als klar wird, dass wir gar keine BMW haben, lässt das Interresse etwas nach. Honda, pfff. Ca. 15 Minuten später dürfen wir auch schon nach Albanien einreisen.

Unsere bisherige Erfahrung, dass sich Landschaft und Umgebung im neuen Land erst allmählich verändern, gilt nicht für Albanien. Direkt nach der Grenze wirken Straßen und Häuser deutlich heruntergekommener. Wir überholen Lastenrasenmäher, Pferdewagen (nicht für Touristen) und kleine Motorroller mit vorgespanntem Anhänger.

Wir fahren durch Shkodër, einer größeren Stadt Albaniens, um uns mit der lokalen Währung, dem Albanischen Lec, einzudecken. Der erste Kulturschock der Reise trifft uns bereits am Stadtrand. Während am Straßenrand oft Personen auf Ihre Ziege oder Kuh aufpassen, überholen uns moderne Geländewagen und der ein oder andere Benz. In der Stadt selbst herrscht für den ungeübten Blick das totale Verkehrschaos. Keine Ampeln, keine Schilder und scheinbar keine Vorfahrtsregeln in den zahlreichen Kreisverkehren. Die Fußgänger nehmen's locker..

Nachdem wir im Stadtzentrum eine Bank gefunden haben (eine Raiffeisenbank), versuchen wir, die Stadt erstmal wieder zu verlassen. Aber so leicht ist das gar nicht. Wegweiser gibt es hier nur manchmal. Und des Englischen ist scheinbar auch fast niemand mächtig. Wir schaffen es schlussendlich doch und fahren auf einer Straße, welche ständig zwischen Autobahnqualität, Landstrasse und Schlaglochpiste wechselt bis nach Laç, wo wir in einem günstigen Hotel unterkommen. Im Hotelrestaurant erleben wir zum ersten Mal Inflation hautnah, als wir für umgerechnet 7€ essen und trinken können. Abends genießen wir mit schlechtem Gewissen den Whirlpool in unserem Zimmer und fragen uns, ob wir wirklich noch in Europa sind.

Am nächsten Morgen fahren wir bei Kälte und Regen weiter in die Küstenstadt Durrës, wo wir bereits gegen Mittag ankommen. Wieder kommen wir in einem Hotel unter, welches gleichzeitig auch Bar, Restaurant, Tankstelle und Autorwerkstadt ist. Glücklicherweise spricht einer der Mechaniker Deutsch, sodass wir uns ein Mal durch die kleine Speisekarte essen können.

Von der Stadt selbst sehen wir nicht viel, eine Altstadt oder Sehenswürdigkeiten gibt es nicht. 

Am dritten Tag geht es weiter bis nach Gjirokastër, wo es eine alte Burg geben soll. Der Weg dorthin ist teilweise abenteuerlich und führt uns nicht nur durch kleine Bergstraßen, sondern auch über eine mehrere Kilometer lange Geröll- und Schlammpiste. Hier wird die in der Karte eingezeichnete Autobahn wohl erst noch gebaut...

Ein letztes Mal übernachten wir in einem, diesmal eher kleinen, Hotelzimmer, bevor wir Albanien verlassen. Ein Fazit über diese beiden Länder zu treffen, ist schwer. Montenegro bleibt uns vermutlich als klein-Kroatien in Erinnerung, welches mit seinen sehr guten und günstigen Restaurants und dem allmählichen Übergang der Küsten in Sandstrände ein perfektes Urlaubsland abgibt. Albanien ist 100 Jahre Geschichte in ein Land gepackt und kräftig geschüttelt. Wir werden wohl oft daran zurück denken, aber wissen nun, dass Kultur nur in reichen Regionen gedeihen kann. Deshalb sind wir froh, bei Kakavië den bettelnden Kindern an der Grenze davon zu fahren - in eine neue Zeitzone - nach Griechenland.

05. Okt 2013

Nach einem langen und regenreichen Tag konnten wir endlich weiterziehen. Mit vielen Tipps und einigen Karten von "Paul Something", unserem einzigen Nachbarn auf dem Campingplatz, geht es weiter.  Bei strahlendem Sonnenschein brechen wir auf in Richtung Süden. 

Wir besuchen den Krka Nationalpark, welcher besonders für seine Wasserfälle bekannt ist. Es empfängt uns ein wirklich schönes Naturgebiet, in das nur wenig eingegriffen wird. Die einzige Ausnahme scheinen selbst Anfang Oktober viele Touristen zu sein, aber das sind wir ja schon fast gewohnt. 

Später am Tag treffen wir zufällig auf die Kulturerbe-Hafenstadt Trogir und finden auf der angrenzenden (Halb-?) Insel eine Unterkunft direkt am Meer, wo man es locker 2 Tage aushalten kann, schließlich ist hier Badewetter!

Nach einem wohlverdienten Tag Pause geht es auf Erkundungstour durch Trogir. Eine wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen Gassen gilt es zu entdecken. 

Nachmittags geht es weiter in die Metropole Split, deren Innenstadt mit Einkaufspassagen schon sehr an große Städte Deutschlands erinnert. Nur der Markt mit frischen Fischen fällt aus dem Rahmen und gefällt uns :-)

Auf der Suche nach einem Quartier (viele Zeltplätze sind jetzt im Oktober bereits geschlossen) finden wir mehr durch Zufall den Ort Ston mit der längsten zusammenhängenden Burgmauer Europas. Wir finden heraus, dass hier Zimmer billiger sind als Camping in Österreich und schlagen spontan zu. Hier schlemmen wir ausgiebigst und essen beide zum ersten mal in unserem Leben frische Austern. Sie schmecken ungefähr so, wie das Meer riecht, findet Daniel, und isst sie schnell auf.

Natürlich will Daniel auch die Burgmauer näher begutachten, und die sportliche Besichtigung zieht sich doch in die Länge. Schnell ist der Liter Wasser vernichtet und 100te Stufen erklungen, aber für die Aussicht und die Kalorienverbrennung hat es sich gelohnt!

Weiter geht es zu unserem letzten Abstecher, der südlichen Hafenstadt Dubrovnik. Wieder werden wir mit einer schönen und gut erhaltenen Altstadt begrüßt, aber auch mit Horden von Touristen. Wir schauen uns nur kurz die Stadt an und suchen dann schnell das weite. Anscheinend sind wir doch eher Einzelgänger...

Ein letztes mal übernachten wir in Kroatien direkt am Meer, geben unsere letzten Kuna aus und versuchen, Bilanz zu ziehen. Kroatien ist ein sehr schnönes, aber selbst im Herbst oft noch mit Touristen überlaufenes, Land. Dadurch ist die Küstenregion eher reich, sobald man aber ein bißchen ins Hinterland kommt, nimmt die Anzahl an Menschen und die Vegetation ab. Und was Österreich an Kühen hat, hat Kroaten an streunenden Katzen. Wir kommen auf jeden Fall gerne wieder. Die Herausforderung, einen möglichst einsamen Strand für sich zu finden und so unauffällig zu reisen, dass man im Restaurant nicht spontan auf deutsch angesprochen wird, nehmen wir gerne wieder an.

Und jetzt erkunden wir ein wenig Montenegro, bevor wir vor der Regenvorhersage nach Albanien flüchten. Wir sind gespannt!

29. Sep 2013

Nachdem wir es am 25. über die wunderschöne Großglocknerstraße nach Italien geschafft haben, ging es am 26. auch schon weiter in Richtung Süden. Italien haben wir nur kurz gestreift und sind direkt weiter gefahren *schwupps* durch Slowenien, direkt rein nach Kroatien.
 
Im wunderbar warmen Kroatien sind wir dann die alte, schöne, kurvige Küstenstraße nach Süden runter gefahren (s.o.). 
 
Auf einen Zwischenstopp in Senj und der toll instand gehaltenen Burg Nehaj, von der aus die Uskoken die Türken in Schach hielten (Schauplätze des Buchs "Die rote Zora und ihre Bande") hatte sich Anna schon lange gefreut. Fehl am Platz wirkte nur das Restaurant mit Bar in der Burg, aber das konnte den Ausblick von den Zinnen nicht trüben:
 
 
Weiter in Richtung Süden wird die Küstenstraße immer kleiner, kurviger und schöner sowie die Ortschaften seltener - traumhaft schön. Erst vor Zadar häufen sich die Campingplatz-Schilder wieder. In der Hafenstadt selbst steht im Zentrum eine runde Kirche, erbaut auf Fundamenten aus der Antike. Wir waren froh um die Abkühlung im Innern und fasziniert, vor Inschriften, welche römischen Gottheiten gewidmet sind, zu stehen.
 
 
Noch am gleichen Tag trafen wir eine Segel-Crew in Kroatiens größtem Yacht-Hafen Sukošan und ließen den herrlichen Tag mit frisch importierter Weißwurst, Weißbier und fröhlichen Reisenden ausklingen. Sehr zu empfehlen war auch unser Campingplatz direkt am Meer mit Blick auf den Yacht-Hafen, genauer gesagt im Vorgarten einer netten kroatischen Familie.
 
 
Auf einen Tipp hin ging es am nächsten Morgen nur ein kurzes Stück weiter auf die Insel Murter, denn Wäsche waschen, Filmmaterial sortieren und ausspannen standen auf dem Plan. Die Insel (oder ist es eine Halbinsel?) imponiert uns sehr: Kaum ein Haus ist heruntergekommen oder grau-grün, wie auf dem Festland verbreitet. Besser noch, es wird viel mit Naturstein gebaut und Oliven und Orleander werden nicht nur als Gestrüpp verwendet.
 
 
Dazu gab es am Campingplatz der Wahl einen Feigenbaum, welche noch ein paar verspätete reife Feigen trug - hmmm!
Getrübt wurde dieser schöne Flecken Erde nur durch ein heftiges Gewitter, welches Annas Motorrad in den Matsch legte, Heringe heraus pflügte und die Wäsche wieder schmutzig machte. Jetzt sitzen wir hier bei schier endlosem Regen im Zelt und wissen nicht, ob wir noch einen Tag ausharren oder nach Süden flüchten sollen...
 
Wir entscheiden uns auszuharren, und warten auf die Sonne.